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Der Kompass zeigt immer nach Norden – klar. Aber stellt euch mal vor: die Pole der Erde tauschen ihre Position, und wo gerade eben noch Norden war, ist plötzlich Süden!
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Hört sich an wie die absurde Idee zu einem Hollywood-Blockbuster – aber steckt vielleicht mehr dahinter?
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Tatsächlich beobachten Forschende verschiedene Anzeichen dafür, dass sich die Pole unserer Erde umkehren könnten.
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Was da genau vor sich geht und was das für uns bedeutet, erfahrt ihr jetzt!
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Dass die Kompassnadel sich immer nach Norden ausrichtet, liegt am Magnetfeld unserer Erde.
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Man kann sich das ein bisschen so vorstellen, als gäbe es im Inneren der Erde einen riesigen Stabmagneten.
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Weil er zwei Pole hat, nennt man den auch „Dipol“. Um so einen Magneten bilden sich sogenannte Feldlinien.
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Der gedachte Stabmagnet liegt nicht genau auf der Rotationsachse der Erde, sondern ist um ca. 10 Prozent dazu geneigt.
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Deshalb liegen die magnetischen Nord- und Südpole nicht genau an den geographischen Polen.
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In Wirklichkeit ist es sogar noch ein bisschen komplizierter – aber dazu kommen wir gleich.
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Sehen können wir das Magnetfeld nicht – aber mit Hilfe von Kompassnadeln daran orientieren. Und auch andere Bewohner der Erde profitieren davon.
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Viele Tiere besitzen, im Gegensatz zu uns Menschen, einen Magnetsinn. Zugvögel, Haie, Bienen – sie alle orientieren sich am Magnetfeld der Erde.
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Meeresschildkröten sind mit seiner Hilfe tausende von Kilometern im Meer unterwegs und finden dabei sogar den Strand ihrer Geburt wieder, um dort ihre Eier abzulegen.
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Und Hunde, so wurde in einer Studie nachgewiesen, verrichten ihr Geschäft bevorzugt in Nord-Süd-Richtung. Also beim nächsten Gassigehen einfach mal nen Kompass mitnehmen...
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Und dann berichtet uns gern in den Kommentaren, ob ihr das bestätigen könnt!
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Der Magnetsinn der Tiere macht sich zunutze, dass jeder Ort auf der Welt seinen eigenen magnetischen Fingerabdruck hat und sich durch die Richtung und Stärke des Magnetfelds beschreiben lässt.
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Entscheidend ist zum einen der Winkel zwischen „magnetisch Nord“ und „geographisch Nord“. Den nennt man „Deklination“.
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Zum anderen ist da der Winkel, in dem die magnetischen Feldlinien auf die Erdoberfläche treffen. Dieser Winkel heißt „Inklination“.
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Dazu kommt dann noch die Stärke des Magnetfelds am jeweiligen Ort. So weit, so gut. Aber wozu gibt es das Magnetfeld eigentlich?
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Seine wichtigste Funktion: es schützt unsere Erde – und damit auch uns – vor gefährlicher Teilchenstrahlung aus dem All.
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Die Sonne zum Beispiel strahlt nicht nur Wärme und Licht ab, sondern auch sehr energiereiche, elektrisch geladene Teilchen, den sogenannten Sonnenwind.
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Der hätte durchaus das Zeug dazu, die Atmosphäre der Erde wegzupusten – unser Planet wäre dann unbewohnbar.
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Zum Glück bildet aber das Magnetfeld im Abstand von etwa 30.000 km zur Erde eine Art Schutzschirm, der diese Teilchen ab- und von der Erde weglenkt.
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Das Innere dieses Schirms nennt man „Magnetosphäre“.
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Wenn es auf der Sonne besonders große Eruptionen gibt, kann der Sonnenwind auch zum Sturm werden.
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Besonders zu diesen Zeiten zeigen sich die Schwachstellen des Magnetfelds – die ein spektakuläres Naturphänomen zur Folge haben.
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An den Polen treffen die magnetischen Feldlinien senkrecht auf die Erde. Hier können es Teilchen des Sonnenwinds bis in die Erdatmosphäre schaffen.
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Durch die Interaktion mit Molekülen in der Atmosphäre entstehen Polarlichter.
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Bei einem Sonnensturm dringen mehr Teilchen in die Magnetosphäre ein als sonst. Nordlichter sind jetzt vermehrt und auch weiter südlich zu beobachten.
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Nun haben wir gesehen, was das Magnetfeld so alles kann, aber – wo kommt es eigentlich her?
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Das Magnetfeld entsteht tief im Erdinneren, genauer: im äußeren Erdkern. Der besteht aus über 3000°C heißem, flüssigem Metall – vor allem Eisen und Nickel.
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Und das ist ständig in Bewegung. In einer endlosen Strömung steigt es aus der Tiefe in höher gelegene Schichten, kühlt dort ab und sinkt wieder nach unten.
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Durch die Erdrotation sind diese Ströme außerdem auch noch schraubenförmig in sich verdreht.
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In der verwirbelten, elektrisch leitfähigen Flüssigkeit fließt elektrischer Strom – und ähnlich wie in einer Magnetspule entsteht um diesen Stromfluss herum ein Magnetfeld.
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Dieses sich selbst erhaltende Prinzip bezeichnet man auch als „Geodynamo“.
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Kleine Anteile am Magnetfeld stammen außerdem aus der Erdkruste und von elektrischen Strömen außerhalb der Erde.
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Wir haben euch ja schon vorgewarnt: In der Realität ist alles ein bisschen komplizierter als wir es hier zeigen können.
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In Wirklichkeit ist das Magnetfeld dynamisch. Seine Stärke und Richtung verändern sich ständig.
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Hier seht ihr, welchen Weg der magnetische Nordpol in den letzten 180 Jahren zurückgelegt hat. Im Moment wandert er ca. 40 Kilometer pro Jahr.
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Damit aber nicht genug. Das Magnetfeld kann sich auch komplett umkehren! In der Vergangenheit der Erde ist das schon öfter passiert, zuletzt vor 780.000 Jahren.
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Woher man das weiß? Unter anderem durch die Untersuchung von Gesteinen.
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Denn die enthalten magnetische Bestandteile, die sich am Magnetfeld der Erde ausrichten. Wird das Gestein jedoch über eine bestimmte Temperatur erhitzt,
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verliert es vorübergehend seine Magnetisierung, die Information wird quasi gelöscht und die Partikel orientieren sich neu am vorherrschenden Magnetfeld der Umgebung.
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Diese Ausrichtung behalten sie dann auch nach dem Abkühlen bei.
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Auch wenn sich Sedimente ablagern und zu Gestein verdichten, behalten die magnetischen Teilchen die jeweils vorherrschende Richtung des Magnetfelds.
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Auf diese Weise speichern etwa Vulkangesteine, aber auch Töpferwaren die jeweils zu ihrer Entstehungszeit herrschenden magnetischen Bedingungen. Für Forschende ein wertvolles Archiv.
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Jetzt die entscheidende Frage: Könnten wir vielleicht einen Polsprung erleben?
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So viel schon mal vorweg: Eine Feldumkehr ist ein Prozess, der Jahrhunderte bis Jahrtausende dauert. Die Pole „springen“ nicht einfach.
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Allerdings gibt es Anzeichen, dass wir am Beginn eines solchen Prozesses stehen könnten.
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So hat die Stärke des Erdmagnetfelds in den letzten 200 Jahren um 10 % abgenommen, wie in dieser Grafik zu sehen.
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Besonders schwach ist das Feld derzeit in der Region Südatlantik/Südamerika – die sogenannte „südatlantische Anomalie“.
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Auch, dass der magnetische Nordpol immer schneller wandert, gibt den Forschenden zu denken.
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Und: Im Durchschnitt tauschen die Pole alle 250.000 bis 500.000 Jahre die Position, die letzte Umpolung ist aber schon 780.000 Jahre her. Rein statistisch gesehen wäre sie also überfällig.
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Aber: das ist ein reines Zahlenspiel, es könnte auch genauso gut sein, dass sich all das im Rahmen der üblichen Unregelmäßigkeiten des Magnetfelds abspielt.
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Mit anderen Worten: Wir können es einfach nicht sicher sagen.
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Was aber würde eine Polumkehr für uns bedeuten? Dramatisch wäre in erster Linie die damit einhergehende Schwächung des Schutzschirms Magnetfeld.
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Funk, GPS und Satellitenkommunikation wären gestört. Durch den Teilchenbeschuss des Sonnenwinds könnte es zu Überspannungen in Hochspannungsleitungen kommen, und in der Folge zu Stromausfällen.
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Aber: was genau passieren würde, kann keiner so ganz sicher vorhersagen, denn bei einer Polumkehr dabei gewesen ist noch niemand von uns...
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Wie sieht’s aus, habt ihr Angst vor der Polumkehr? Erzählt uns das doch mal in den Kommentaren. Und nicht vergessen: Abo-Button pressen!